Wohnen in Offenbach?

Alleine in Frankfurt suchen 30.000 Menschen eine Wohnung. In der angrenzenden Stadt Offenbach sieht die Lage nicht rosiger aus. Von bezahlbarem menschenwürdigen Wohnraum oder sogar Sozialwohnungen mal ganz zu schweigen.

Ein Blick in die immowelt (gehört übrigens zum Springer Konzern!) wirkt ernüchternd: In Offenbach sind in den Jahren 2011 bis 2017 die Kaltmieten von durchschnittlich 8,80 € (für bis zu 40 m²) auf 11,30 € pro Quadratmeter gestiegen, im Juni 2018 waren es fast 12,00 € bei Neuvermietungen. Für Wohnungen bis 80 m² stieg der Preis von durchschnittlich 7,50 € (2011) auf 10,00 € (Juni 2018).

Ein Blick auf die Entwicklung der Wohnsituation im Ostend in Frankfurt (also rund um die Europäische Zentralbank – EZB) lässt für die Einwohner Schlimmes befürchten: Dort wurden gezielt schnucklig-teure Neubauten hingesetzt, alter Wohnbestand teuer luxussaniert und nach und nach die bisherigen Anwohner vertrieben. Zum Teil auch, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können.

Wieder der Blick nach Offenbach: Neu gebaut wird im Hafen, dem sogenannten Hafengold. Wer hier im „quirligen Viertel“ eine Wohnung sucht, muss bei der Nassauischen Heimstädte (Bauherr) bei der Anfrage nicht nur angeben, wie groß die Wohnung sein soll und wie viel er verdient. Er muss auch seine Nationalität angeben. Aha! Nicht neu gebaut, sondern grundsaniert wird das ehemalige Siemens-Gebäude am Kaiserlei-Kreisel. Dort soll bis 2021 ein Campus für Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Gewerbe entstehen. Geworben wird mit der Nähe zur Stadtgrenze Frankfurt, zum Flughafen und der EZB. Die Wohnungen sollen als Zielmiete (je nach Ausstattung) zwischen 13,50 €  und 15,00 € pro Quadratmeter einbringen. Von den Wohnungen wird keine einzige gefördert werden. Dafür gibt es aber eine „Skylounge“. Das ist doch was für Banker.

Alleine diese beiden Beispiele belegen: In Offenbach wird darauf gesetzt, in neue Wohnviertel gezielt einkommensstarke Menschen anzusiedeln. Mit Hartz IV (Regelsatz für den Haushaltsvorstand aktuell 416,00 €) wird dort keiner zu einer Wohnung kommen. Für alteingesessene Mieterinnen und Mieter, Ältere, Menschen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende und Menschen mit mehreren Kindern wird der Wohnungsmarkt immer kleiner oder sie werden ohnehin verdrängt.

Was fordern wir? Wohnen ist ein Grundrecht und darf kein Spekulationsobjekt sein. Es müssen endlich wieder Sozialwohnungen gebaut werden.

Abrüsten statt Aufrüsten: statt 40 Kampfhubschrauber 2.400 Sozialwohnungen bauen und damit bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Wenn im Oktober neue Studentinnen und Studenten mit dem Studium beginnen, benötigen auch sie bezahlbaren Wohnraum. In Offenbach und Frankfurt stehen zigtausend Quadratmeter Büroflächen leer. Zum Teil handelt es sich um Spekulationsobjekte zu reinen Abschreibungszwecken. Heißt es nicht im Grundgesetz, dass Eigentum verpflichtet? Die leerstehenden Flächen könnten zu Wohnraum umgebaut und gegen Selbstkosten an junge Menschen vermietet werden? Das wäre doch mal was!